Früh geht's heute los - wie üblich Nebel über den Bergen. Wir wollen pünktlich die
Fähre Richtung Lysebotn bekommen. Am Fähranleger in Forsan erstmal Unsicherheit. 3 verschiedene
Fahrpläne aus vergangenen Epochen überall am Kai verteilt, zeigen alles, nur nicht die von
uns geplante Fähre. Eine Rückfrage im naheliegenden Supermarkt bestätigt aber, dass
demnächst eine Fähre kommt.
In der Zwischenzeit gesellen sich noch ein PKW, 2 Motorräder aus der Schweiz und 5 Moppeds aus
Deutschland zu uns. Die übliche Menge Wartender. Als die Fähre schliesslich ankommt, ist diese
aber recht gefüllt. Drauf sind schon 2 Busse und Unmengen von PKWs - der bei uns wartende PKW hat
auch gebucht (anders kommt man als vierrädriges Fahrzeug da eh nicht rauf) und es wird eng - so
eng, dass ich meinen Tiger 5cm von der Einfahrtrampe entfernt schräg hinter einem dänischen Auto
einquetschen muss. Die Ladeklappe soll ja auch noch runter. Ich meine, dass das nicht passen
wird - der deutschsprechende Matrose: "Doch das passt" - "Nee, das passt nie und
nimmer" - "Doch das passt". Inzwischen kommt die Klappe tiefer und tiefer und ich kann
eh nichts mehr ausrichten - jetzt noch den Tiger verschieben ist unmöglich - OK, dann wird aus
dem 40l Alutopcase wohl ein 9l Capriokoffer mit gezackten Kanten - ist ja auch nur der letzte heile
Koffer, den ich noch habe. Mit einem Rumps arretiert die Klappe ohne meinen Tiger auch nur berührt
zu haben. Sind immerhin noch knapp 5cm zwischen Tiger und Bordwand vorhanden. Das Öffnen des
Topcases gestaltet sich etwas fummelig, wenn man die Schlösser nicht sieht. Der Kahn ist
rappelvoll, aber einige von uns Moppedfahreren werden gebeten, in einer Stunde nochmal
runterzukommen, da am nächsten Anleger noch ein Auto hinzukommt und wir dann erstmal wieder die
Maschinen runterfahren sollen. Na - das kann ja was werden....
Eine Stunde später gehen wir also runter - inzwischen ist die Klappe schon wieder auf und der
Kapitän versucht anzulegen, was mit 4 ausgefallenen Maschinen wohl nicht ganz so einfach ist - er
kann nur vor und zurück - nicht seitwärts wie dort eigentlich notwendig. Dass es dann einige
Fehlanläufe mit heftigen Rums gegen den Anleger gibt, ist noch zu verstehen, dass mein Tiger
das Ganze ohne irgendwelche Sicherheitsgurte in 5cm Abstand zur offenen Bordkante mitmachen
muss - naja - zumindest der Matrose hält sie mit mir gemeinsam und fragt lächelnd ob ich
nervös sei - klar, was denn sonst. Schweisstreibende Minuten später und doch kein Auto
weit und breit zu sehen, geht's weiter. Da diese Aktion schön von der Aussichtsplattform zu
beobachten war, bin ich sicherlich auf vielen Videofilmen und Fotos verewigt - geklatscht hat
aber keiner ...
Nach einer wunderschönen Fahrt durch den Fjord - diese reguläre Fähre ist eher ein
Ausflugsdampfer mit ständigen Hinweisen auf das Ufer in diversen Sprachen - kommen wir nach
4Std in Lysebotn an.
Es ist jetzt 14.00Uhr und die Sonne scheint. Thomas will gleich zum Kjerag laufen, dem berühmten
Stein zwischen den Felsen, den wir schon von der Fähre aus sahen. Ich will mal den kleinen roten
Strassen in die andere Richtung folgen. Nach dem Zeltaufbau auf dem Campingplatz in Lysebotn geht's
los - Thomas Richtung Start des Wanderweges und ich auf die kleine Strasse. Die fängt schon
richtig prima mit kleinen Spitzkehren und einem tollem Wasserfall an. Doch nach knapp 6km ist an einer
Schranke mit diesem runden weissen Schild mit rotem Rand Schluss. Shit, also zurück und doch
diese 29 Spitzkehren bis auf 950m Höhe erklimmen (da wollen wir sowieso am nächsten
Tag weiterfahren). Auf den Photos, die ich vorher sah, war mir nie ganz klar, wie die Strassenführung
ist - irgendwie hörte das immer abrupt auf. Nun weiss ich, dass ein unbeleuchteter
Stollen (Tunnel wäre übertrieben) mit einer - ich erwähnte unbeleuchteten - Kurve
drin, die auf den Photos sichtbaren Serpentinen verbindet. Die Spitzkehren nehmen keine Ende, doch
schliesslich bin ich oben an der Aussichtsplattform angekommen.
Thomas Mopped steht einsam auf dem Parkplatz, er ist schon unterwegs. Ein teures Eis und einige Bilder
von der Aussichtsplattform sind eine kleine Pause wert, um dann weiter der Strasse zu folgen. Die
schraubt sich noch weiter in die Höhe, um sich schliesslich in eine kurvenreiche Hochplateaustrasse
zu wandeln. Absolut geile Strecke - kilometerweit geht es wieder durch Schnee- und Geröllfelder,
an kleinen und grossen Seen, Abhängen und Bergen vorbei um sich schliesslich fast unmerklich in
eine saftige grüne Landschaft mit - auf unterschiedlichen Ebenen - eingebetteten blauen
Wasserflächen zu wandeln. Kleine Nebenstrassen ziehe mich magisch an, die aber leider alle nach
2-3km an einer Schranke enden und Zufahrtswege zu den Wasserkraftwerksstollen sind, die hier das
gesamte Gebiet durchziehen.
Lange Pausen an einsamen Seen sind eine Erholung für die Seele. Nächstes Mal nehme ich eine
Badehose mit. Da die Reiseführer von einer geringen Tankstellendichte in dieser Gegend berichten,
muss ich noch knapp 50km abspulen, um endlich dem Tiger seine Nahrung geben zu können - ich will
ja nun nicht unbedingt hier irgendwo liegen bleiben.
Auf dem Rückweg lege ich nochmal eine Eispause am Aussichtspunkt ein und nach erneuter Durchquerung
dieses nassen, feuchten Stollens geht ein sehr abwechslungsreicher Tag zu Ende. Thomas kommt auch
etwas später von seiner Wanderung zurück und ist doch etwas ausgepowert, weil er
für die Strecke eine Stunde weniger als angegeben gebraucht hat. Für mein Knie wäre
sie nichts gewesen.
Trotz meiner Extratour von 125km immer noch keine 5000er Marke erreicht. Ich bin jetzt bei Kilometer 4975.
Diese Strassen könnte man übrigens von Hannover aus locker innerhalb eines Tages erreichen.
So als verlängerter Wochenendtrip sicherlich einen Tip Wert, wenn man die Kosten für die
Fähre nicht scheut.