Als Frühaufsteher habe ich kein Problem morgens nochmal zum Wasserfall zu fahren, während
Thomas langsam in die Puschen kommt. Leider hängen diesmal Wolken vor der Sonne - fast die einzigen
am ganzen Himmel, aber ich gehe trotzdem bis zum unteren Ende des Falls und mache einige Fotos. Ist und
bleibt mein Lieblingswasserfall und ich werde ihn sicherlich nochmal anfahren - ein bischen Sonne
für den obligatorischen Regenbogen wäre das i-Tüpfelchen.
Zurück auf dem Zeltplatz wird auf dem Spielplatz - mit dem einzigen Tisch weit und breit - gefrühstückt
und die in zwei Tagen schon fast zahmen Spatzen und Meisen nochmal mit Keks angelockt,
um dann endlich weiter Richtung Süden aufzubrechen. Riesige Wasserfälle unterwegs - bei einem
folgen wir einfach mal dem kleinen Weg, der scheinbar in seine Richtung geht. OK - die erste Spitzkehre
geht ja noch, aber in immer kürzerem Abstand neue Kehren und die dann auch noch immer steiler, lassen
so langsam das Gefühl aufkommen, dass das Mopped jeden Moment nach hinten überfällt.
Zum Schalten bleibt kaum Zeit und so quäle ich den Tiger sicherheitshalber im zweiten Gang hoch.
Die Kraxelei hat schliesslich ein Ende und wir erreichen das Ende der Serpentinen und eventuell eine
Stelle, von der man den Wasserfall besser sieht. Leider ist aber alles zugewachsen und der Steilhang
verhindert den Gang zum freien Blick - also wieder runter und dabei noch ein paar Bilder von den Kurven machen.
Im Nachhinein (Norwegen Forum) stellt sich heraus, dass wir lt. einem Reiseführer die steilste
Strasse Nowegens erwischt haben:
"Die Stalheimskleiva, am Fuße des hüpfenden Twinnefoss, ist Norwegens steilste
Straße - auf nur 1,5 km werden in 13 Serpentinen 350 Höhenmeter bewältigt."
War natürlich für meinen seit Trollstiegen vorhandenen Spitzkehrenrespekt die ideale
Schocktherapie - wenn das mal nicht von Thomas geplant war;-) Ach ja - die Strecke liegt an der E16
ca. 30km nördlich von Voss.
Nach der obligatorischen Fährfahrt, diesmal von Kvandal nach Utne geht's weiter Richtung Odda und
die Zivilisation hat uns fast wieder. Odda ist eine reine Industriestadt und dementsprechend
sieht's dort aus - wir wollen aber eine besondere Eisenbahn bzw. Drahtseilbahn bzw. Aufzug
(was ist es nun genau) fahren, die es bei Skieggedal geben soll.
Zwei Schienen dienen als Führung für zwei offene 6sitzige Gitterwagen, die an einem Stahlseil
in die Höhe gezogen werden. Der Blick in die Tiefe und auf das dünne Seil ist schon
beeindruckend. Oben beginnen dann diverse Wanderwege in alle möglichen Richtungen, unter anderen
zum Prekestolen (4 Tage). Da wir aber nicht zum Wandern hier sind, geht's nach einem kleinen Rundgang
wieder runter. Die Hochfahrt kostet happige 100Kr - das Runterfahren ist immerhin umsonst. Da aber
nur 6 Leute gleichzeitig fahren können und die Fahrt selbst einiges an Zeit beansprucht, muss
man sich gedulden können, einen freien Platz zu bekommen. Klappt aber schliesslich auch und bei
dem schönen Wetter und der tollen Aussicht, ist so eine Pause locker zu verkraften.
Auf unserer weiteren Strecke Richtung Süden kommen wir dann an einige grosse Wasserfälle,
die - oh Wunder - sogar mit Andenkenlädchen ausgestattet sind. Prima: gibt ein paar Aufkleber
mehr und die Rückgewöhnung an den Harz geht schneller vonstatten ;-)
Der abends angefahrene Campingplatz ist irgendwie nicht so das Wahre - kein Wasserfall,
keine Vogelinsel, kein Wildwasser, keine Brandung - hätte sehr ruhig sein können,
aber dank Mittsommernacht ist der Platz mit norwegischen Familien überfüllt und
entsprechend laut. Landschaftlich passt das Gelände auch in die Lüneburger Heide.
Heute haben wir 260km geschafft, die magische 5000er Marke rückt näher, wir sind jetzt
bei Kilometer 4627.