Es regnet mal wieder und ist kalt - naja unterm Gletscher nicht anders zu erwarten.
Ich bin wie üblich früh wach, baue schonmal mein Zelt ab und bringe meine Sachen zum
Trocknen in einen halboffenen Unterstand mit offener Grillfeuerstelle. Etwas später wird auch
Thomas wach und macht es mir nach. Inzwischen hörte der Regen auch wieder auf - kalt ist es
trotzdem. Nach diversen Versuchen mit einigem Benzin aus dem Kocher brennt dann auch endlich ein
kleines Feuerchen in der Grillstelle und das bischen Wärme tut wahrlich gut. Dass der Rauch
in Thomas aufgehängtes Zelt zieht, ist ihm bewusst - sein Meckern über den Gestank beim
nächsten Zeltaufbau sollte somit eigentlich überflüssig gewesen sein;-).
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit frischen Brötchen zum Stückpreis von 18Kr (so
waren sie wirklich ausgezeichnet, aber nach Rückfrage waren es dann doch nur 16Kr für vier
Stück, anonsten hätte das den Preisen in Norwegen wohl die absolute Krone aufgesetzt.
Das nette Mädel hat das für ein Brot gedachte Schild dann auch verschämt hinterm
Tresen verschwinden lassen) gehts weiter.
Thomas will nun endlich seinen hinteren - inzwischen fast Autoreifen: eckig und ohne Profil - Reifen
wechseln lassen. In Skei erfahren wir, dass der nächste Moppedhändler in Førde
ansässig ist. Klasse - liegt in keinster Weise auf unsere Strecke - aber wat mut dat mut.
Also auf Richtung Førde zum - welch Zufall - Suzuki Händler, der aber wohl mehr einen auf
Rasenmäher macht. Thomas baut sein Hinterrrad auf dem Parkplatz aus und ich gönne mir etwas
Sonne, die jetzt schon wieder fast zu warm vom Himmel scheint. Die aufgehängten Privatverkäufe
von Moppeds bewegen sich locker auf dem Niveu unserer Neupreise - Moppeds sind in Norwegen schierer Luxus.
Nach knapp 1 Stunde und einem neuen Reifen geht's wieder zurück, um auf unserer geplanten Strecke
fortzufahren. Das nächste Ziel ist das Gletschermuseum in Fjærland, in dem ein toller Film
vorgeführt wird und einige Hintergrundinfos über Gletscher und deren Einfluss auf die Entstehung
der Fjorde unseren Wissensdurst befriedigen. Ein Schaubild zeigt auch, dass z.B. der Grand Canyon im
Vergleich zu den Fjorden ein kleiner Riss in der Erdkruste ist. Die Fjorde sind bis zu 1000m
tief - einschliesslich der Berge, die bis zu 1500m rechts und links aufragen, macht das sage und schreibe
2,5km tiefe Furchen, die durch die Gletscher in der Eiszeit gefräst wurden.
Das Wetter ist immer noch klasse, so dass wir frohen Mutes die nächsten Kilometer unter die Reifen
nehmen. Eine Fähre gibt es natürlich auch mal wieder - von Mannheller nach Fodnes.
Nun die Entscheidung - den längsten Strassentunnel der Welt (24,5km) fahren oder auf die Hochebene
in den Schnee. Tunnel sind kalt und eintönig wie uns vorherige 14km Schächte schon mehrfach
bewiesen haben, also doch lieber hoch und eine absolut tolle Hochplateaustrecke Richtung Aurland
gefahren. Es ist immer wieder faszinierend - morgens im Sonnenschein in allgäuähnlicher
Umgebung zu schwitzen (naja - schwitzen ist eventuell etwas übertrieben), um später an langen
Schneemauern und Feldern lang zu fahren. Die Pausen
fallen dementsprechend länger aus, so dass wir erst gegen 22.56 Uhr am Campingplatz in Flåm
ankommen - Glück gehabt: um 23.00 Uhr machen die dicht.
Während des Abendbrots können wir dann noch ein Glühen an der gegenüberliegenden Bergspitze
bewundern. Durch den Schatten des Berges auf unserer Seite sah es erst aus wie eine
künstliche Lichtinstallation, aber es ist Norwegen pur.
Morgen wollen wir mal mit der weltberühmten Eisenbahn fahren.
Die heutigen 401 km bringen uns auf 4418km.