Warme Hände sind was Angenehmens. Regen und kühle Witterung - die Heizgriffe des Tigers
machen sich bezahlt - Thomas wird sich wohl nun auch welche installieren. Die Landschaft ist auch nass
einfach nur geil und der Matsch edelt die Moppeds immer mehr.
Das links liegende Wikingermuseum müssen wir dann doch anfahren - einige recht nette Ausstellungen auf einem
weitläufigen Gelände und ausreichende Wärme im Haupthaus taten uns gut. Aber m.E. fällt
das Museum nicht unbedingt in die "MussManGesehenHaben"-Kategorie. Dafür wurde zuwenig
geboten und etwas Ähnliches findet man auch in Haitabu bei Schleswig. Also weiter im so langsam
doch nervenden Nieselregen.
Ein Strassenschild mit Hinweis auf ein Fischindustriemuseum bringt wiederum Hoffnung auf etwas Aufwärmen
und Abtropfenlassen der Klamotten. Aber Schwamm drüber - wir werden in einer alten Schrottfabrik von
einem verschrobenen Kerl, der einen einzigen englischen Satz verständlich aussprechen kann
("Please follow me..") ständig raus in den Regen und wieder rein in stinkende, kalte Hallen
geführt. Ein paar Bilder und Schaukästen waren dann auch schon alles. Beeindruckend ist nur der
70000l Fischölkessel, in dem ein Wahnsinnssound entsteht, wenn man mal in die Hände klatscht.
Ich würde ja gerne mal den Tiger da drin brüllen lassen, aber dieser Museumswärter ...
nee - verpissen wir uns lieber wieder.
Am Fährhafen in Moskenes haben wir noch einige Zeit bis zur Abfahrt, so dass ein Abtropfen der
Klamotten im geschmackvoll tapezierten Warteraum möglich ist (leider kein Bild - das Objektiv hätte
Schaden genommen - aber den Tapetendesigner hätte ich sofort gefeuert).
Auf der Fähre Richtung Bodø dann der Schock. Einige Reisebusse sind an Bord und der Dampfer
proppenvoll. Thomas organisiert ein paar Plastikcampingstühle vom Oberdeck und wir
verbringen eine nette, aber trockene 4-stündige Überfahrt vor der Herrentoilette.
Oui! Oui! Ouiiii! - die scheinbar typischen Lautäusserungen einer Französin, die irgendwas Ungewöhnliches
gesehen hat - locken uns aufs Deck. Tümmler begleiten das Schiff für kurze Zeit, aber sonst gibt es nichts
Spektakuläres zu berichten, ausser, dass es endlich aufhört zu regnen und wir trockenen Fusses in
Bodø ankommen. Allerdings bekommt irgendjemand da oben mit, dass wir wieder unterwegs sind und nach
Geldbeschaffung und Verabschiedung aus Bodø, fängt es wieder an zu tröpfeln. Am Besten nochmal
eine Hütte suchen. Ein absoluter Glücksfall (Thomas hat das kleine Schild entdeckt) bringt uns zu
einem alten Norwegerhaus südlich von Godøynes, welches komplett vermietet wird. Platz genug, allen
Kram auszubreiten und trocknen zu lassen. Thomas hat sogar sein Zelt in der zweiten Etage aufgebaut.
Selbst in meinem AluTopCase steht das Wasser - ich schätze mal, dass da entweder irgendwas im Deckel eingeklemmt war
oder das ständige Öffnen bei FotoStops im Regen liess zuviele Tropfen rein (der Tankrucksack ist
inzwischen wasserdicht verpackt und die Kamera nach hinten gewandert). So ein Problem sollte ich später
nicht mehr haben.
Das alte Doppelbett, dass ich mir ausgesucht habe, knarrt fürchterlich. Ich hätte mir wohl doch
irgendwas in den anderen Schlafzimmern, eine der Couches oder mein Zelt aufbauen sollen - Auswahl genug
haben wir ja. Aber gut geschlafen habe ich trotzdem - es war wirklich die beste Hütte
unterwegs.
Da die Fährfahrten, die Trockenpausen und Museumsbesuche doch einiges an Zeit verschlingen,
war es streckenmässig eher ruhig. 180km standen auf meinem Tacho - macht 2850km Gesamtstrecke.