Der Nebel liegt immer noch über den Inseln und Stø. Nach einem ausgiebigen
Frühstück in der Campingplatz-eigenen Küche suchen wir nochmal das eventuell
vorhandene Austernfischernest - dem Krach nach muss etwas in der Nähe sein, oder die
Austernfischer haben Wellensittichblut in ihren Adern und machen den Lärm aus purer
Lebensfreude. Aber ohne Erfolg machen wir uns dann gegen halb zehn zu Fuss auf, um unsere
WalSafari anzutreten.
Da wir nicht wissen, ob es was an Bord zu kaufen gibt, fassen wir noch etwas Reiseproviant in
Støs einzigem Supermarkt. Ein T-Shirt mit aufgemalter "Pottwalschwanzflosse vor
Sonnenuntergang" (fast so kitschig wie "röhrender Hirsch auf Waldlichtung")
weckt mein MussHabenBedürnis. Die 100Kr sind aktzeptabel und irgendein Mitbringsel will
ich für mich haben. Im Whalewatchingoffice werden uns Seekrankheitstabletten angeboten,
die wir dankend entgegen nehmen - man weiss ja nie.
Vor dem Einschiffen gibt es eine kurze Instruktion in Englisch und Französisch. Wir sind
die einzigen Deutschen. Später stellte sich aber heraus, dass der 'französiche'
Instruktor ein ausgewanderter Deutscher ist und wir erhalten so aus erster Hand einige
Hintergrundinfos zum Thema Leben in Norwegen.
Endlich geht's los - bei ruhiger See und partiell blauem Himmel schippert unser Dampfer (ein alter
Tonnenleger) raus aufs Meer. Erster Anlaufpunkt ist der vor Stø gelegene Vogelfelsen 'Anda fyr'
der gleichzeitig als Leuchtturminsel fungiert. Nun sehe ich das erste Mal in meinem Leben Papageientaucher.
Das Wasser ist übersäht von denen - dafür das sie ihr ganzes Leben auf dem Meer verbringen
und nur zur Jungenaufzucht an Land kommen, waren ihre Startbemühungen auf der ruhigen See doch etwas
unbeholfen - im Schnitt endet jeder 3. Start kläglich mit flatternden Flügeln in den Wellen.
Wahrscheinlich brauchen die Wellengang um von einer höheren Position starten zu können... Kormorane
und Möwen vervollständigen das Bild. Seerobben sind das Tüpfelchen auf dem i und 3 Seeadler
im Flug setzen dem Ganzen die Krone auf. Eigentlich bin ich schon fast zufriedengestellt, aber wir sind ja
auf Wal Safari. Der Schiffsdiesel treibt den Kahn weiter gen Norden.
Nach gespannten Stunden endlich ein Pottwal - den hat aber nur einer gesehen, zig Augenpaare, die den
Horizont absuchen und einiges Rumgekurve bringen aber nichts mehr zum Vorschein. Der Wal ist wahrscheinlich
zur Nahrungsaufnahme abgetaucht und das kann dauern - also weiter Richtung Schelfkante.
Fast schon hysterisches Gekreische einer Französin zeigt uns den Weg zu einer Horde Orcas. Ist schon
beeindruckend, wie sie in Formation durch das Wasser preschen, wenn auch die begleitenden französischen
Lautäusserungen, bei jedem erneuten Auftauchen der Orcas, so langsam nerven. Leider scheint laut Aussage
der Schiffsbesatzung ein älteres Tier dabei zu sein, dass den Walfang noch erlebte und so gehen sie
uns immer wieder aus dem Weg. Aber für einige Bilder und einem Glücksgefühl reicht es
allemal. Es gibt nicht viele Menschen die Wale live gesehen haben - nun gehören wir zumindest dazu.
2 Stunden weiter nördlich soll ein Pottwal gesehen worden sein, da es aber schon 16 Uhr ist, entscheidet
sich der Kapitän für die Rückreise, die wenig spektakulär verläuft. Bei strahlendem
Sonnenschein und ruhiger See verfällt fast jeder dem Drang nach einem kleinen Nickerchen. Der
mitfahrende Amerikaner geniesst es zwar nicht so ganz - als einziger hängt er seekrank in den
Seilen. Der wird wahrscheinlich schon bei einer Strandwanderung Probleme bekommen. Allerdings war ich mir
am Anfang auch nicht sicher, ob mir schlecht war oder nicht. Das können aber auch Nebenwirkungen
der Tabletten gewesen sein.
Kurz vor Stø wird nochmal die Vogelinsel von der anderen Seite angefahren um schliesslich nach knapp
9 stündiger Fahrt wieder im Hafen anzulegen. Da ich keinen Pottwal gesehen habe und das 500er Tele vermisst habe,
muss ich das wohl nächstes Jahr wiederholen - war aber trotzdem klasse und die 575Kr waren es wert. Im Gegensatz zu
den in Andenes angebotenen Touren mit mehr als 100 Plätzen, waren wir nur mit insgesamt 13 Touristen
unterwegs und entsprechend war auch die Stimmung an Bord familiärer. Mir sind die kritischen Aspekte
dieser Walsafaries bekannt und auch die Besatzung ist sich dessen bewusst. Die Walsafaries sollen deshalb
auch nicht allzusehr ausgebaut werden, und es könnte sein, dass sie irgendwann sogar ganz
eingestellt werden.
Abends wird es etwas kühler und ein kleiner Spaziergang an der Küste ist ein lockerer Abschluss
dieses Tages, wenn sich auch mein Knie wieder meldet, dass immer noch an einer heftigen Prellung, die ich
mir bei einem Moppedunfall 3 Monate zuvor zugezogen hatte, laboriert. Das kann ja was werden - einige
Wanderungen sind noch geplant.
Kilometerleistung war NULL (naja - 2km zu Fuss) - aber ca. 80SM haben wir gemacht ;-)
Was es zum Abendbrot gab, gibt's auf Anfrage.