Es regnet - besser es pisst und es ist kalt - gefühlt 0° - gemessen: leider nicht. Keiner
von uns hat ein Thermometer eingepackt, nächstes Mal kommt sowas mit. Alle Klamotten und
Koffer werden daher aus dem Zelt in die Küche geschleppt, dort gepackt und schliesslich wird
gefrühstückt. Erst danach geht‘s ans Zelte abbauen, um sie kurz in der warmen Küche
zu trocknen.
Der Tiger springt - eigentlich unüblich - sehr schlecht an und geht im Standgas gleich
wieder aus. Nach 2,3 Versuchen klappt's dann - wahrscheinlich gefiel ihm der kalte und feuchte
Wind nicht, dem er die ganze Nacht ausgesetzt war. Ich hatte schon Bedenken, dass es was
Ernstes sein könnte - neue Maschine - wenige Triumph Händler in Schweden (hab zwar
alle skandinavischen Tierärzte vorher aufgeschrieben) und 'ne Panne muss ja nicht unbedingt
sein. Ist aber später nicht mehr aufgetreten, obwohl noch kältere Gegenden auf uns
warteten.
Kleine Fitzelchen blauen Himmels nähren die Hoffnung in uns, dass dieses Wetter nur ein
kleines technisches Problem bei Petrus ist und der Regen bald aufhört.
Eigentlich hat's doch so toll begonnen...
Matsch, Schlaglöcher und Schotter - eine lange Baustelle liegt auf unserem Weg. Der Tiger
in seinem Element, wenn auch die Metzeler Tourance nicht ganz so geeignet sind wie die Metzeler
Enduro auf Thomas Maschine, was sich auch später immer mal wieder zeigte. Zumindest ist der
Tiger schön dreckig und sieht jetzt nach benutzter Reiseenduro aus ;-)
Irgendwo im Fjell - inzwischen auf einer westlich führenden Strasse - wird Pause gemacht.
Der überdachte Unterstand liegt malerisch an einem idyllischen See und die Kocher geben ihr
Bestes unser Mittagessen warm zu bekommen. Passend dazu bekommt Petrus schliesslich auch sein
Problem in den Griff. Bei teils blauen Himmel ohne Regen geht's weiter gen Westen um an der
nächsten Tankstelle/Supermarkt unsere restlichen schwedischen Kronen loszuwerden und noch
Aufkleber zu kaufen, zu tanken und eventuell den Proviant aufzufüllen.
Die Anzahl der Seen nimmt zu und auch der erste Schnee ist auf den nun auftauchenden Bergen
zu sehen. Eisbedeckte Wasserflächen sind ein Zeichen, dass es wohl recht kalt werden könnte.
Aber wir wollen ja an die norwegische Küste, die durch den Golfstrom etwas wärmer als das
schwedische Hinterland ist.
Plötzlich ist Schweden zu Ende und wir kurz vor Mo I Rana.
Die erste Tankstelle in Norwegen ist der Grund meine fast 350 schwedischen Kronen auszusortieren.
Muss ich halt nächstes Jahr wieder hoch - die Schweden machen ja wie die Norweger und
Dänen keinen Eurowechsel.
Heute sind's auch nur 541km geworden - der Geschwindigkeitsbegrenzung und dem Regen zollen wir unseren Tribut
(naja - die Pausen wegen der vier Buchstaben werden auch länger), aber wir haben Norwegen
erreicht. Insgesamt liegen nun 2066km hinter uns.
Der Campingplatz liegt nördlich von Mo I Rana an der E6. Wir wollen den Polarkreis am
nächsten Tag überqueren und dies bewusst in Norwegen, da es in Schweden wohl nur mit
einem Schild gewürdigt wird und der Weg über Finnland nicht gerade auf unserer
Strecke liegt.
Die moosbewachsenen Steine hinter unseren Zelten zeigen, dass es recht
feucht ist, wie auch später auf fast allen Campingplätzen. Genug Plastiktüten
sind also angebracht, um nicht wie ich 100 zusammengeklebte Tabakblättchen in einem Rutsch
aus der Verpackung zu ziehen.
In der Nacht hat dann Petrus mal wieder Probleme sein Wasser bei sich zu halten und die entsprechende
Klanguntermalung auf dem Zeltdach begleitet unseren Schlaf.