Die A7 soll dieses Wochenende zwischen Altwarmbüchen und Mellendorf komplett gesperrt
werden - also etwas früher los, um verabredungsgemäß um 7:00 Uhr an der
Raststätte Allertal zu sein. Der obligatorische "VorUrlaubsKurzVormLosfahrenRundgang"
in der Wohnung ist noch durchzuführen, meine Wellensittiche noch mal mit frischem Wasser
und Futter zu versorgen und ein letzter Blick in die Küche ob nichts Gammelbares
rumliegt, was in drei Wochen eventuell Beine bekommen könnte.
Es kommt aber alle paar Tage jemand vorbei, um nach dem Rechten zu schauen.
In der Garage wartet schon der fast vollbepackte Tiger. Die Gepäckrolle wird noch
festgezurrt und nach einigem Hin- und Hergewackel hab ich den Tiger mit einem mächtigen
Rumps vom Hauptständer runter - nächstes Mal wird sie auf dem Seitenständer
stehend bepackt.
Das Fahren ist etwas ungewohnt mit all dem Gewicht und - oh Wunder - ich komme mit beiden
Füssen voll auf den Boden - immerhin etwas besser zu rangieren ;-)
Bei strahlendem Sonnenschein los Richtung A7 und sehen wie's dort aussieht - zu sehen war
garnix - die Bahn ist frei, also drauf und die 30km bis zur Raststätte in Angriff nehmen.
Über die Landstrasse wird’s sicherlich einiges länger dauern, aber trotz Schwuchteltempo
bin ich natürlich eine viertel Stunde zu früh dran. Da die Sonne scheint und die
Morgenfrische inzwischen auch angenehm ist, lässt sich das verkraften. Um 5 vor 7 klingelt
das Handy und Thomas meint er kommt etwas später. 20min später ist er auch da - nun
aber los - so schön ist es auf Raststätten auch nicht.
Kurz vor Puttgarden bringt heftiger Seitenwind unsere Maschinen arg zum Schaukeln, man gewöhnt
sich jedoch recht schnell daran und wir wollen ja eh auf ein Schiff. Nur diese Reihen von Caravans
können schon nerven, aber die lassen wir spätestens auf dem nächsten Autobahnabschnitt
wieder hinter uns. Zwischen Bezahlstation und Wartelinien treffen wir einen älteren schwedischen
Chopperfahrer, natürlich stilecht in schwarzen Lederklamotten, langem weißen Rauschebart
und Harley, der wohl (sein Englisch ist schwer zu verstehen) Europa durchreist hat. Sein Eisenhaufen
will wegen schwacher Batterie nicht anspringen. Ein kurzer Anschiebelauf unsererseits entlockt dem
Hobel dann erstaunlicherweise doch das typische Harleyblubbern. Zur Sicherheit macht er die Maschine
in der Wartelinie nicht mehr aus.
Die Fährüberfahrt nach Dänemark ist unspektakulär - strahlend blauer Himmel
und ruhige See, fängt ja schon mal richtig gut an. Beim Auschecken fährt der Schwede mit
laufendem Motor vorbei. Die Frage ob er das Teil in der Fähre hat laufen lassen, oder die Rampe
sein Anlasser war, liess sich nicht beantworten. Ein paar Kilometer weiter sehen wir ihn dann quasi
im Straßengraben bei seiner Maschine stehen. Da er sich so blöde ins Gras verzogen und
die Autobahn keinen Seitenstreifen hat, verzichten wir aufs Anhalten. Die schwer beladenen
Maschinen sollen nun nicht unbedingt gleich am ersten Tag irgendwo feststecken bleiben - sorry
for that.
Nichts Besonderes gibt es von der kurzen Überfahrt nach Schweden zu vermelden - wenn auch die
Ladeklappe nicht geschlossen wird, was mir etwas Sorgen macht, angesichts der ständigen
Ostseefähren, die zu U-Booten mutieren. Da vorne ist aber schon Helsingborg und nach dem
Auschecken geht‘s schnurstracks auf die Autobahn Richtung Jönköping. Erster Eindruck:
Chopper en masse und Zweiradtreiber, die über die Autobahn grüßen.
Der kleine See mit roter Hütte und kleiner Insel, der bei unseren ersten Rast die Kulisse für
den Parkplatz darstellt, ist einfach toll und einige Photos wert. Dass dieser Tümpel im
Rückblick nix besonderes ist, na ja - ist wohl in jedem Urlaub so ;-)
Schepper... Klasse! Beim Hantieren mit der Kamera fliegt der Helm runter und das nigelnagelneue
Visier sieht nach 3 Tagen schon aus wie das alte. Schwund gehört wohl grundsätzlich dazu.
Hier sind wir falsch...oder? Zwei Fussballfelder und ein paar Caravans drumherum, aber es ist wirklich
ein Campingplatz. Bauen wir die Zelte also am Spielfeldrand auf und nutzen das erste Mal unsere
Benzinkocher um Tütensuppen zuzubereiten und das noch frische Zwiebelbrot anzubrechen.
Der Zeltaufbau geht schon fast perfekt, das hatte ich erst einmal vorher beim Bekannten im Garten
und einmal im Winter im Outdoorladen aufgebaut.
813 km haben wir bis hierher abgerissen - hoffe dass die vier Buchstaben sich daran gewöhnen.
Aber auf diese Kilometerleistung werden wir nicht mehr kommen und d‘ran gewöhnen wird sich auch nix.
Der Tiger ist aus der Einfahrphase raus und nun könnte ich heizen, wenn da nicht diese runden
Schilder mit den Zahlen überall rumstehen würden...