Volt, Watt, Ampere, Ohm....
...ohne mich gibts keinen Strom (Der Elektrolurch - Guru Guru)
Auf der Krim ging es los - die Batterie hatte immer weniger Saft und wenn es warm war, musste ich immer etwas warten, bis der Tiger (955i Baujahr:2oo1) wieder zu starten war oder alternativ Starthilfe geben lassen.Nach Anschaffung einer neuen Batterie war trotzdem irgendwie war der Wurm drinnen. So richtig Power zum Durchziehen des Starters war nie mehr vorhanden und im Sommer 2oo7 kamen dann die ersten Liegenbleiber dazu. Teilweise so krass, dass nur noch Autobatterien halfen und das Motorrad sogar im Standgas ausging.
Von einem guten Freund habe ich einen Ersatzregler bekommen und frohen Mutes bin ich dann damit nach 130km wieder liegengeblieben. Zum Glück hatte ich eine vollgeladene Ersatzbatterie dabei (man wird ja misstrauisch ;-) und kam auch wieder nach Hause. Es wird also Zeit das ganze mal ernsthaft anzugehen:
Die notwendigen Messpunkte lassen sich im Schaltbild recht schnell finden, nur die Punkte am Tiger
zu lokalisieren ist immer etwas mühsam, weswegen ich hier mal ein paar Fotos mit Buchstaben versehen habe,
die denen in der kleinen Skizze entsprechen.
Folgende Messwerte sollten sich bei ca 3000 UPM und ausreichender Last (d.h. Fernscheinwerfer und evtl Heizgriffe) einstellen:
- An der Batterie (C): ca 13,5V - 14,7V Gleichspannung
Ein neuer Bleiakku hat im vollgeladenen Zustand ca 12,8V Spannung. Da kein Fahrzeughersteller (aus Sicherheitsgründen) den Akku bis auf 100% lädt, ist ca 12,4V ein guter Wert. Das bedeutet, dass die Ladespannung zumindest höher sein muss, sonst wird der Akku nicht geladen.
Liegt der Wert weit über 14,7V, ist definitiv der Laderegler (B) defekt. Liegt er deutlich unter 13V, gibt es leider viele mögliche Ursachen.
- An der LiMa: ca 35V/Phase (Achtung das ist Wechselspannung - AC-Modus am Messgerät)
Der Stecker (G) zwischen LiMa und Regler befindet sich etwas versteckt unter dem Tank. Die Maschine läuft auch ohne LiMa, wenn die Batterie ausreichend geladen ist, so kann man bei abgezogenen Stecker an jeder der 3 Strippen gegen Masse messen.
(Das Problem bei mir war allerdings, dass die Spannung nur unter Last zusammenbrach - hier helfen 3 kurze Strippen mit Kabelschuh und Stecker, die man zwischen Regler und LiMa am Stecker einfügt, um korrekt zu messen).
- Batterie (C) defekt
Bleiakkus lieben es gar nicht, wenn sie tiefentladen werden und sie erholen sich von dem Stress auch nicht mehr. Sie sind aber auch Verbrauchsmaterialien, die nur eine begrenzte Lebensdauer haben. Die Batterie wird daher sicherlich als erstes gewechselt, es ist trotzdem sinnvoll folgende Punkte zu überprüfen und auch zu messen, um neue Akkus nicht gleich wieder zu Sondermüll werden zu lassen.
- Sicherungen defekt (2x30A)
Eine Sicherung steckt im Sicherungskasten an Position 2, die andere (F) links am Batteriekorb in einer kleinen Halterung.
Die Spannungen vor und hinter der Sicherung müssen identisch sein (es gibt Sicherungen, die sehen optisch OK aus, sind aber hochohmig)
- Oxidierte Anschlüsse oder kaputte Kabel
Besonders der Masse-Übergabepunkt an den Motor (J) ist anfällig für Oxidation, allerdings auch alle anderen Schraub- und Steckkontakte.
Kabel sollten keinen messbaren (im Ohmbereich) Widerstand haben. Zum Reinigen eignet sich eine kleine Drahtbürste und danach die Kontakte leicht einfetten - nur Caramba draufsprühen wird nicht lange halten.
- Regler (B) defekt
Stimmen obige Punkte und auch die Spannung an der LiMa ist wohl der Regler defekt (leider als Orignalteil recht teuer, aber theoretisch sollten auch günstigere Regler ohne Triumph-Aufdruck funktionieren (aber bitte nur basteln, wenn ausreichend KnowHow vorhanden ist)
- Lichtmaschine (A) defekt
Wie oben geschrieben, waren bei mir die Spannungen bei gezogenem Stecker (G) OK und nur unter Last brach es auf knapp 17V AC zusammen. Damit lag die Ladespannung an der Batterie unter 11V und das Motorrad lief praktisch nur noch mit Batteriespannung. Die LiMa ist natürlich der WorstCase, aber auch kein Hexenwerk.
Der Regler lässt sich am besten ausbauen, wenn man den Tank aus dem Weg schafft: Blinkerträger vorne abschrauben, Inbus am Lenkkopf lösen, Batteriekorb ausbauen, Tankschraube entfernen und die Schläuche abziehen.
Nun lässt sich der Tank hinten anheben und mit z.B. einem untergelegten Holzbrettchen auf den Rahmen legen. Jetzt sind die Schrauben und auch die Stecker des Reglers frei zugänglich.
LiMa-Stator ausbauen
Es reicht übrigens, einen evtl Motorschutzbügel nur zu lockern. Man kommt relativ gut an alle Schrauben und allzuviel Platz benötigt der Deckel beim Abnehmen nicht. Wenn er dann ab ist, sieht man den mit 3 Schrauben befestigten Stator und evtl auch schon verschmorte Wicklungen.
Es gibt nun 4 Möglichkeiten:
Die Litze und den Draht vom neuen Stator wurden zuerst zusammengequetscht (die abgeknipste Kabelanschlusseite von Flachsteckern ist dafür prima geeignet) und dann verzinnt. 2 Lagen Schrumpf- und 1 Lage Gewebeschlauch sorgen für Vereinsamung der Kontakte und schliesslich auch für 14,4V im Leerlauf bei aktiven Fernlicht ;-)
Wer einen Tintendrucker mit relativ geraden Papierlauf hat, kann sich diese Grafik bei 300dpi auf das Filterpapier drucken und dann auschneiden (eine gebogene Nagelschere ist dazu ideal und für die Löcher ein Stanzeisen).
Ich würde mich freuen, wenn diese Infos jemanden nützlich sind und wünsche viel Spass beim Elektrolurch jagen...
- Originalersatzteil bestellen
Mit fast 500EUR aber nicht gerade das Schnäppchen.
- Gebrauchtteil suchen und kaufen
Erstmal finden und dann ist die Frage in welchem Zustand der Stator ist.
- Stator neu wickeln lassen
Es gibt einige Unternehmen, die sowas anbieten - Kosten liegen wohl bei 100-150EUR.
- Austauschstator besorgen
Liegt preislich bei ca 100-130EUR für den Tiger. Ich habe hier bestellt (ArtNr: 210030075Z) oder einfach mal bei ebay suchen und bei entsprechenden Anbietern nachfragen.
Nach meinen Recherchen (abgesehen vom Stecker) passt auch der Stator der Honda VFR750 und angeblich auch welche von MZ.
Die Litze und den Draht vom neuen Stator wurden zuerst zusammengequetscht (die abgeknipste Kabelanschlusseite von Flachsteckern ist dafür prima geeignet) und dann verzinnt. 2 Lagen Schrumpf- und 1 Lage Gewebeschlauch sorgen für Vereinsamung der Kontakte und schliesslich auch für 14,4V im Leerlauf bei aktiven Fernlicht ;-)
Deckeldichtung
Wer einen Tintendrucker mit relativ geraden Papierlauf hat, kann sich diese Grafik bei 300dpi auf das Filterpapier drucken und dann auschneiden (eine gebogene Nagelschere ist dazu ideal und für die Löcher ein Stanzeisen).
Ob sich das lohnt? ...muss jeder selbst wissen..zumindest hält man die Dichtung so relativ schnell in den Händen.
Ich würde mich freuen, wenn diese Infos jemanden nützlich sind und wünsche viel Spass beim Elektrolurch jagen...
