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Tümpelpage:
So geht's

 

Da erfahrungsgemäss immer Anfragen zum Aufbau kommen, mache ich es hier mal etwas ausführlicher und gehe auf folgende Themen ein:

Die Technik
Das Becken
Der Inhalt
Tipps und Utensilien
Literaturtipps und Links
Die Bilder
Zum Schluss

Zuerst aber ein Foto vom aktuellen Aufbau, um dann die einzelnen Punkte anzusprechen:


Mein aktueller Aufbau des Minitümpels

 

 



Die Technik
Zum Einsatz kommen eine digitale EOS D60 und eine analoge EOS RT. Natürlich beide mit Fernauslöser, da es bei den extremen Abbildungsmassstäben ein Risiko ist, mit der Hand auszulösen. Stativ ist ebenfalls Pflicht (dies ist ein Velbon MiniTripod, bei dem eine Socke um das vordere Bein Reflexionen in der Beckenwand verhindern soll - das Stativ gibt es aber auch in Schwarz ;-). Ein Winkelsucher (ist von Minolta - passte an meine Contax und jetzt auch an die EOS ;-)) vereinfacht manche Aktionen.

Als Objektive nutze ich zum einen das SIGMA Macro 180/3.5 (hier an der RT montiert) - damit gehts bis zu 1:1 und ist ideal um etwas im Becken zu verfolgen (die hin und her treibenden Mücken beim Schlüpfen sind damit aufgenommen). Die 'GanzNah' Bilder sind mit dem EF28-105 oder dem EF20-35 am Novoflex Retro Adapter für EOS gemacht. Ein geniales Teil, mit dem extreme Abbildungsmasstäbe erreichbar sind (Hier ist ein Vergleich von verschiedenen Objektiven an dem Adapter, den ich mal gemacht habe).

2 bzw. 3 Blitze dienen zum Aufhellen. Der Hauptblitz ist per SCA-Kabel an die Kamera angeschlossen - der Blitz im Hintergrund ist ein Slaveblitz und an der D60 kommt noch zusätzlich ein Blitz, der die Szenerie von unten anleuchtet (liegt hinter dem Stativ). Der Haupt- und der Untenblitz haben übrigens einen Bouncer aus einem Küchenreinigungstuch (einfach mit Gummiband festgemacht). Die Belichtung wird komplett manuell eingestellt. Um auch von oben Licht zu bekommen, habe ich aus einem Sperrholzbrettchen und zwei im Winkel von 45° abgesägten Leisten einen kleinen Reflektor gebastelt. Bezogen ist er mit zerknüllter Alufolie. Durch Unterlegen von Gegenständen kann man ihn exakt positionieren (blauer Flaschendeckel;-). Hinter dem Becken hängt ein blaues Tuch, dass dem Wasser zumindest den Anschein von Wasser gibt - wird ansonsten immer braungrünlich. Das Problem ist allerdings, dass der Slave nicht immer mit dem Hauptblitz bzgl. Ladezeiten mitkommt - deswegen gibt es auch braune Bilder ;-). Tja - und dann sollte man immer geladene Akkus bereitliegen haben, wenn man nicht über eine netzgespeiste Blitzanlage verfügt. Nicht zu vergessen ist das Einstellicht, dessen Job eine schnöde Halogenschreibtischlampe übernimmt.

Früher hatte ich einen ähnlichen Aufbau jedoch mit Novoflex-Balgen und einem Blitz mit zig Spiegelkacheln.



Das Becken
Das Becken ist aus - vom Glaser zugesägten - 3mm Glasscheiben selbstgebaut und hat die Masse H:14cm x T:10cm x B:30cm. Die geringe Tiefe ist zum Fotografieren vorteilhaft, weil man das gesamte Becken überblicken kann (Kaufaquarien sind erheblich tiefer). Der Glaskasten steht auf einem 'Podest', um mit der Kamera nach Möglichkeit immer senkrecht zur Glaswand zu sein. Abdeckt wird es mit einer weiteren Glasplatte - die ist wichtig, da es Insekten an sich haben, nach dem Schlüpfen wegzufliegen ;-)



Der Inhalt
Zum Starten empfiehlt es sich einiges Material vom Grund des Bachs oder Tümpels mitzunehmen - einem Becken ohne Bodensatz fehlt etwas entscheidendes. Das Grünzeug sind Wasserpflanzen, die hier den Bach zuwuchern und wovon ich immer mal wieder ein paar Stengel mitnehme, da sie nicht im Becken anwachsen wollen. Entengrütze macht optisch auch was her, wenn Insekten schlüpfen, hat allerdings den Nachteil. dass es extrem wuchert. Ein paar Kiesel oder Äste sollten auch nicht fehlen. Auch die Möglichkeit, dass ein Tier mal an die frische Luft will, sollte durch aus dem Wasser ragende Äste oder Steine ermöglicht werden.

Für den normalen Betrieb hole ich mit den Würstchengläsern Wasserproben. Das Becken hat immer 2,5 Würstchengläser Inhalt. Mit der grossen Spritze wird dann das alte Wasser aus dem Becken rausgeholt und in eine flache Schale gespritzt, um eventuelle Tiere vor dem Schicksal als Blumenwasserbeigabe zu bewahren. Das neue Wasser wird über eine Glasplatte ins Becken gelassen um das extreme Aufwirbeln des Bodens zu verhindern.

Beim Wasser sollte man darauf achten, dass es nicht faulig ist. Die Faulbakterien breiten sich extrem schnell aus. Im Zweifelsfall - und auch, wenn man mal keine Zeit hat zum Bach zu gehen - geht auch Leitungswasser (kann ruhig Kalkhaltig sein, wenn man in seinen Proben Schnecken mit Gehäuse findet - ein Zeichen dafür, dass es genug Kalk an der Entnahmestelle gibt). Bei der derzeitigen Wärme wechsele ich täglich, weil die Bachflohkrebse effektiv anzeigen, dass der Sauerstoffgehalt zu niedrig wird. Sauerstofftabletten, wie sie für Teiche und Aquarien angeboten werden, habe ich eine Zeitlang benutzt, aber das Wasser beginnt zu schäumen, so dass ich das wieder eingestellt habe. Inzwischen habe ich mir eine einfache Aquarienluftpumpe zugelegt (nicht auf dem Foto). Das Problem ist jedoch, dass selbst die kleinste mit einem sogenannten Ausströmerstein schon eine extreme Strömung im Becken verursacht und aufgrund der Schwebteilchen an keine Fotografie zu denken ist. Ich habe dann einfach in den entsprechenden Luftschlauch Löcher auf eine Länge von 25cm gestochen (alle 5mm durchstechen) und das Ende verschlossen (geht mit einem Feuerzeug recht gut). Nun gibt es kleinste Bläschen bei minimalster Strömung. Sauerstoff wird aber effektiv ins Wasser gebracht. Pumpe und Schlauch kosten knapp 7,-- EUR - dazu noch eine billige Zeitschaltuhr für 5,--EUR und man muss im Sommer nicht alle Stunde nachsehen, ob die Bachflohkrebse schon wieder die Ecken hochklettern.



Tipps und Utensilien
Das wichtigste Utensil zuerst: Alte Eisstiele. Damit werden die Glasscheiben gereinigt und im geringen Masse kann man auch Tiere positionieren. Zum Reinigen wickele ich um den Stiel Reinigungspapier und wische einmal die gesamte vordere Glasplatte von innen (über und unter Wasser gleichzeitig). Danach kommt ein trockenes Papier an die Reihe und dann wird vorsichtig bis zur Wassergrenze der obere Teil der Scheibe getrocknet.
Zum Positionieren kann man vorsichtig die Tiere anstupsen - geht zwar nicht bei allen, aber der Wasserskorpion z.B. lässt sich so recht gut in Pose bringen. Mückenlarven und Bachflohkrbese sind hingegen ein Geduldsspiel. Je 'gefährlicher' ein Tier im Becken ist, umso leichter kann man es beeinflussen ;-)

Das zweite Utensil ist ein Stück aus einer Blisterverpackung, dass ich auf die Tiefe des Beckens zugeschnitten habe. Damit lassen sich prima Braunalgen und z.B. leere Insektenhüllen abschöpfen. Einfach das gesamte Becken durchfahren und an einer Stirnwand hochziehen.

Die grosse Spritze habe ich schon angesprochen - sie ist auch ideal um gezielt Tiere abzusaugen (natürlich nur bis zu einer gewissen Grösse). Grössere Tiere fische ich mit einem Filmdöschen raus - ein Kescher wäre ideal, aber so klein gibt's die wohl nicht.

Eine Pinzette gehört noch dazu, damit werden 'Landschaften' gestaltet.



Literaturtipps und Links
Keine Angst, es gibt nun keine Abhandlungen und seitenweise Listen über hochwissenschafltliche Bücher. Aber ich bin doch immer wieder neugierig, was ich nun gerade fotografiert habe und dazu dienen mir - meist mit Erfolg - folgende Bücher und Links:

Bücher
Was lebt in Tümpel, Bach und Weiher (Pflanzen und Tiere unserer Gewässer)
Wolfgang Engelhardt - Kosmos Naturführer - ISBN: 3-440-06638-X

Einzeller und Wirbellose
Steinbachs Naturführer - Mosaik Verlag - ISBN: 3-576-06495-8

Links
Bestimmungsübungen an Insekten

Zwischen Gartenteich und Feuchtbiotop

Über die gelinkten Seiten finden sich weitere, die im Zweifelsfall die bohrenden Fragen klären können ;-)



Die Bilder
Es ist so gut wie unmöglich in diesen Dimensionen zu fotografieren ohne Schwebteilchen in den freien Flächen zu haben. Selbst ausgiebigstes Putzen löst zwar das Problem auf der Glasscheibe, kann aber nichts gegen Teilchen und kleine Tierchen machen, die sich nunmal gerne frei bewegen. Es wird aber nur die vordere Glasscheibe geputzt, denn an den Scheiben siedeln sich gerne Algen und auch Polypen an, die als Nahrungsgrundlage für z.B. die Schnecken dienen. Also lasse ich dieses Schlaraffenland auf den restlichen 3 Seiten wuchern ;-) Eine Alternative gegen Schwebteilchen wäre wohl ein Aquarienfiltersystem, aber damit würde ich das 'Biotop' verfälschen und meinen kleinen Motiven teilweise die Nahrungsgrundlage nehmen. Was bleibt ist die Bilder nachzuarbeiten:
Im ersten Schritt stempel ich daher diese Teilchen weg um im zweiten Schritt das jeweilige Tier grob freizustellen und den Rest leicht unscharf zu machen. Für den Gesamteindruck kann auch schonmal eine Farbanpassung des Hintergrunds durchgeführt worden sein. An den Tieren selbst wird jedoch nichts modifiziert.
Die meisten Bilder enstehen mit der D60, aber auch einige DIAs sind gescannt und eingebunden worden (Fischchen, Eintagsfliege u.w.).
Der Ausschuss an unbrauchbarn Bildern ist übrigens recht hoch - im Schnitt ist eins von zehn einigermassen ansehnlich ;-)



Zum Schluss
Es immer zu bedenken, dass es sich um Lebewesen handelt. Wenn ein Tier zu gross fürs Becken wird, sollte man es wieder zurückbringen (meine Libellenlarve war so ein Kandidat) und nicht anderweitig 'entsorgen'. Und auch wenn Stichlinge recht genügsam sind - das Becken ist m.E. dafür zu klein, also auch wieder zurück - besser erst garnicht mitnehmen. Es gibt aber auch Tiere, bei denen es sich nicht empfiehlt sie einzusetzen. Neben Libellenlarven (die im übrigen nicht gefangen werden dürfen!) gehört der Gelbbrandkäfer dazu - das sind wahre Killer und können innerhalb kürzester Zeit alles was sich bewegt auffressen. Auch Kaulquappen würde ich nie mitnehmen oder aber rechtzeitig zurückbringen.

Falls jemand nun Interesse bekommen hat selbst solche Aufnahmen zu machen oder jemanden kennt der es macht, würde ich ich über den Hinweis auf eine Webseite freuen.

 

Tschüss
       Andreas

 

 


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Text/Bilder © 2oo2 - Andreas Just